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Wettermann Klaus Schmidt: Das Fach Astronomie wieder auf dem Lehrplan

Klaus Schmidt baute 1956 die erste Wetterbeobachtungsstelle auf dem Gelände der EOS in Herzberg. 56 Jahre meldete er Wetterdaten an den Deutschen Wetterdienst. Klaus Schmidt baute 1956 die erste Wetterbeobachtungsstelle auf dem Gelände der EOS in Herzberg. 56 Jahre meldete er Wetterdaten an den Deutschen Wetterdienst. Foto: SWB/sn

Herzberg, 08.03.2018.  Klaus Schmidt studierte in Berlin Geografie und auch einige Semester Meteorologie, widmete sich dann aber der Astronomie und wurde anschließend an der Erweiterten Oberschule (EOS) in Herzberg Astronomielehrer. Am 1. Januar 1963 lieferte er zum ersten Mal Herzberger Daten zum Wetterdienst der DDR nach Leipzig und notiert auch heute noch täglich die Wetterdaten.

SWB: Herr Schmidt, wie hat eigentlich alles in Herzberg mit den Wetteraufzeichnungen begonnen?
Klaus Schmidt: 1956 war ich Lehrer an der EOS und baute dort auf dem Hof die erste Wetterbeobachtungsstelle auf. Als ich 1960 Leiter der Sternwarte wurde, wechselte die Station dorthin. Als dann aber die Leipziger Straße entstand, bauten wir unser Haus in der Feldstraße und die Wetterstation wechselte auf mein Grundstück in meinen Garten. Bis Oktober 2016 meldete ich tagtäglich ehrenamtlich das Herzberger Wetter an den Deutschen Wetterdienst (DWD) nach Potsdam. Dazu gehörten die Niederschlagsmengen, Bodenbeschaffenheit, Temperaturen und Wind, besondere Ereignisse wie Hagel, Glatteis oder Gewitter. Auch Monatsberichte für die Presse erschienen. Die Daten kamen der Wissenschaft und der Allgemeinheit zugute. Die Trennung fiel schweren Herzens. Als Dankeschön bekam ich sogar eine alte Wetterkarte vom Tag meiner Geburt. Ronny Lange führt in Osteroda die Niederschlagsmessungen fort.

Aber Sie zeichnen doch immer noch weiter die Wetterdaten auf?
Wer einmal beginnt, kann damit nicht enden. Ich sehe es als Lebensaufgabe an. Mit unserem Umzug in die Schlossstraße waren bestimmte Messungen innerhalb der Stadt nicht mehr möglich. Das Echo aus der Bevölkerung animiert mich, weiterzumachen. So setze ich die Datenreihe für die Stadt Herzberg fort. Viele interessiert es, die Daten großer Niederschläge abzurufen. Andere berichten von eigenen Messvarianten. Ich trage zur Popularisierung bei, das ist fantastisch.

Werden Sie auch angesprochen, um einen Wetterausblick auf das Frühjahr oder den Sommer zu geben?
Als Meteorologe halte ich von der langen Vorschau nichts und kann höchstens zu 80 Prozent eine Woche voraussagen. Auch die Bauernregeln sind gut, nur leider bringen einige Wetterveränderungen einige davon ins Schwanken.

Sie tragen seit 55 Jahren die Wetterdaten zusammen. Haben Sie Veränderungen bemerkt?
Eindeutig. Das Temperaturjahresmittel stieg von 8,6 Grad und schwankt bis 11 Grad. 2017 lag es etwas über 10 Grad. Es gibt Niederschlagsverschiebungen, aber auch größere Trockenphasen und die Extremsituationen wie die Stürme nehmen zu. Das haben wir gerade in den letzten Monaten schmerzlich bemerkt.

Was hat das Wetter in Ihrem Leben mit dem Planetarium zu tun?
Das Wetter und die Himmelsbeobachtungen liegen ganz nah beieinander. Mir gelang es, in Herzberg mit Unterstützung vieler Einwohner ein Planetarium zu bauen. Das hat nicht nur viel Arbeit, sondern auch reichlich Geld gekostet. Das Herzberger Planetarium war das erste im Land Brandenburg. 1965, kurz vor Weihnachten, erfolgte die Einweihung. Ganz offiziell wurde der Auftrag erteilt, um auch nachts Satelliten zu beobachten. Acht dieser Stationen gab es damals.

Lehrer, Sternwarte und Planetarium bedeuten doch reichlich Arbeit?
Das stimmt schon, doch die Kombination ist einzigartig für Herzberg – für mich als ehemaligen Astronomie-Lehrer um so mehr. Schade nur, dass es das Fach Astronomie im heutigen Zeitalter der Raumfahrt nicht mehr gibt. Es ist Schulen freigestellt, eine Stunde pro Woche in den 10. Klassen für das Thema zu nutzen. In der Johannes-Clajus-Gesamtschule wird es derzeit noch genutzt. Nur was ist, wenn Ernst Becker, er ist auch Mitglied der Herzberger Sternfreunde, in den Ruhestand geht? Meiner Meinung nach würde das Fach Astronomie wieder auf den Lehrplan gehören. Als Nachfolger für das Planetarium versuchte ich Holger Knobloch so gut wie möglich anzuleiten. 1999 gründete sich der Verein „Herzberger Sternfreude“, er ist jetzt der Vorsitzende und sorgt gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern für ein umfangreiches Programm.

Gespräch: Serena Nittmann