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Henry Redel: „Mit der Schule identifizieren“

Henry Redel: „Keine Ausgrenzung.“ Henry Redel: „Keine Ausgrenzung.“ Foto: SWB/HL

Torgau, 18.05.2018  Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch erklärt Henry Redel, seit dem vergangenen Jahr Vorsitzender des Fördervereins der Grundschule am Rodelberg Torgau e.V., warum sich Aggressionen bei Kindern durch Bewegung und Spielen eindämmen lassen.

SWB: Fördervereine gibt es mittlerweile in vielen Lebensbereichen. Welche Motivation gab es bei Ihnen, den Vorsitz zu übernehmen?
Henry Redel: Das hat zum einen den Hintergrund, dass eine Tochter von mir schon in die Grundschule am Rodelberg geht, die zweite Tochter im kommenden Jahr dort eingeschult wird, sodass ich den Vorsitz des Fördervereins für sechs Jahre übernehmen kann. Zum anderen war es aufgrund der Ganztagsschulangebote eine Bedingung, einen  Förderverein ins Leben zu rufen. Das geschah bereits im Jahr 1993. Mittlerweile sind wir 72 Mitglieder, welche das Erbe fortführen.
Nach welcher Philosophie handelt der Förderverein?
Unser Hauptgrundsatz ist die Gleichbehandlung aller Kinder, egal aus welcher Familie sie kommen, welcher Hautfarbe sie sind und welcher Religion sie angehören. Eine Ausgrenzung aus irgendwelchen Gründen soll es nicht geben.
Was gehört zu den vordergründigen Aufgaben des Fördervereins?
Eine ganze Menge. Das Hauptthema ist und bleibt, das Sammeln von Geldern für unterschiedliche Dinge wie das Unterstützen sozialer Projekte – unser Sozialfonds kommt Kindern aus sozial schwachen Familien zugute –  dem Ausstatten des Schulfestes, die Hilfe beim jährlichen Themenprojekt, in diesem Jahr ging es um Afrika und das Organisieren des Sponsorenlaufes. Dazu kommen kleine Gesten, wie das Spendieren eines Eises am Kindertag oder das Bereitstellen von zehn Euro pro Schüler der 4. Klassen für die Klassenfahrt. In diesem Jahr betrifft das immerhin 60 Schüler.
Wie schwer oder leicht ist es heute noch, Kind sein zu dürfen?
Ich kann jetzt nur für mich sprechen: Zu meiner Zeit war es leichter, Kind zu sein. Wir hatten mehr Freiräume, konnten uns sicherer  fühlen. Heute gibt es doch in jeder Hinsicht mehr Bedenken, ja sogar Ängste, mit denen die Kinder schon früh konfrontriert werden. Dazu kommt die Gefahr durch eine übersteigerte Medienvielfalt und -präsenz. Gerade hier lauern Gefahren, die einem Angst machen können.
Wo lauern außerhalb der Schule die meisten Gefahren?
Nach der Schule fehlt oftmals die Bindung zu geregelten Freizeitaktivitäten, was auch mit fehlenden finanziellen Möglichkeiten Einzelner zu tun hat. Zudem scheint die Zeit, um sinnvolle Angebote nutzen zu können, immer knapper zu werden. Die digitale Welt sowie die sozialen Medien und deren Einflüsse sind ungleich größer als früher. Dadurch steigt die Aggression anderen gegenüber. Und was ebenfalls auffällt, ist die sich mehr und mehr entwickelnde Bewegungsarmut sowie ungenügende Gleichgewichtserfahrung bei unseren Kindern.
Was bedeutet es, die Welt durch Kinderaugen zu sehen?
Zunächst ist es wichtig, die Welt einmal durch Kinderaugen zu sehen. Wir dürfen die Umwelt nicht weiter so gestalten, dass es den Kindern kaum mehr möglich ist, sorgenfrei zu spielen.
Ein Leitprinzip des Fördervereins ist „Stärken stärken, Schwächen schwächen.“ Was bedeutet das?
Wir wollen alle 237 Kinder mitnehmen, auch die Eltern. Das gelingt durch eine gute Sozialarbeit und leistungsstärkere Schüler, die in der Klasse anerkannt sind. Jeder soll sich mit der Schule identifizieren. Schule bedeutet nicht nur Schule, sondern vor allem Gemeinschaft. Was uns auch am Herzen liegt: Durch Bewegung in den Pausen und nach der Schule auf einem Spiel- oder Sportplatz lassen sich Aggressionen eindämmen. Beunruhigend ist die Tatsache, dass leider täglich eimerweise Essen weggeworfen wird. 
Der Förderverein beteiligte sich an einer Aktion der Stadtwerke Torgau, Geld für die Umgestaltung des Spielplatzes an der Grundschule zu sammeln.
Richtig. Das war eine Möglichkeit, Geld für eine Kletter- und Balancieranlage zu sammeln. Wir haben schon an mehreren Aktionen teilgenommen, um den Kletterturm durch die Anschaffung eines Netzes erweitern zu können. Im laufenden Schuljahr haben wir zum Beispiel über 45 Tonnen Altpapier gesammelt. Durch Eigenleistungen wollen wir die Kosten so gering wie möglich halten. Ziel ist es, zum 25-jährigen Schuljubiläum 2019 den Spielplatz einzuweihen. 
Was für Aktionen sind noch geplant?
Am Samstag, dem 9. Juni, wollen wir von 14 bis 17 Uhr einen Kindersachen- und Spielzeugtrödelmarkt mit einem kleinen Kuchenbasar veranstalten. Wir werden weiter jede Gelegenheit nutzen, um Spenden zu sammeln.
Wie viel Geld wird denn insgesamt benötigt?
Ein Kostenvoranschlag beläuft sich auf summa summarum 15. 000 Euro. Die Stadt und Sponsoren sind auch bereit, uns zu unterstützen. Natürlich wollen wir unsere Eigenleistungen forcieren. An dieser Stelle möchte ich einmal die Chance nutzen, um mich im Namen des Fördervereins bei der Schulleitung und den Lehrern für die enge Zusammenarbeit zu bedanken.  


Gespräch: H. Landschreiber