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Hans-Peter Klie: Philosophische Perspektiven

Hans-Peter Klie eröffnet am 2. Juni seine nächste große Ausstellung im ehemaligen Pfarrhaus in Kolochau. Hans-Peter Klie eröffnet am 2. Juni seine nächste große Ausstellung im ehemaligen Pfarrhaus in Kolochau. Foto: Privat

Kolochau, 25.05.2018  Diese provokante These vertritt der Künstler Hans-Peter Klie in seiner aktuellen Ausstellung in Kolochau, die am Samstag, dem 2. Juni, eröffnet. Und nennt sie daher „Philosophische Perspektiven“. Vor vier Jahren zog der Konzept- und Installationskünstler ins ehemalige Pfarrhaus, einmal im Jahr zeigt er dort über den Sommer eine große Ausstellung.

SWB: Herr Klie, warum betrachten Sie die Fotografie philosophisch?
Hans-Peter Klie: Heutzutage fotografieren fast alle Menschen. Dabei bilden die meisten aber nicht das ab, was sie zu sehen glauben, sondern die Bilder, die sie im Kopf haben. Bilder, die sie gelernt haben. Viele sehen die Dinge so, wie sie meinen, sie sehen zu müssen.
Betrachtet man diesen Sachverhalt philosophisch, stellt sich heraus, dass es mit der eigenen Sicht auf die Dinge oft nicht weit her ist. Manchem ist noch nicht einmal bewusst, was er fotografiert. Oft sagen die Fotografien also mehr über das Denken, die Weltsicht der Fotografen und die Gesellschaft, in der sie leben, als über die Dinge oder die Menschen, die auf den Fotos zu erkennen sind.
Was sieht der Besucher in der Ausstellung?
Gezeigt werden dreizehn Arbeiten zur Fotografie – also Arbeiten, die mit fotografischen Mitteln über Fotografie nachdenken. Neben Objekten gibt es  Fotografien, aber meist solche, die die Gedanken hinter den Fotos bewusst machen – also in gewisser Weise „Gedankenfotografien“.
Was ist „Gedankenfotografie“?
Schon vor gut einhundert Jahren gab es Versuche, mit dem Mittel der Fotografie auch die unsichtbare Welt, also die Gedanken, festzuhalten. 1895/96 hatte die Entdeckung der Röntgenfotografie bewiesen, dass eine fotografische Platte Unsichtbares, also unser Knochengerüst, abbilden konnte. Von da aus war es nur ein Schritt zu dem Versuch, Gedanken und „geistige Energien“ mittels der Fotografie abbilden zu wollen. Diese Arbeiten sind der Ausgangspunkt der Ausstellung, die sich zwischen Dokumentation und Inszenierung, zwischen Schein, Wirklichkeit und Simulation bewegt.
Gibt es ein Rahmenprogramm am Eröffnungstag?
Ja, im gegenüberliegenden Gutshaus gibt es einen Trödelmarkt mit Kaffee und Kuchen und regionalen Spezialitäten wie Schliebener Wein. Die Ausstellung eröffnet Andreas Pöschl, der Kunstamtsleiter des Elbe-Elster-Kreises, zur Einführung gibt es ein Gespräch zwischen mir und  der Kuratorin Ulrike Riebel aus Berlin.
Sie sind Künstler. Woher kommt Ihr Interesse an der Philosophie?
Kunst und Philosophie sind für mich verwandte Disziplinen, in beiden geht es darum, über die Welt zu reflektieren – und  Sinn- und Existenzfragen anzugehen – einmal mit künstlerischen Mitteln, einmal mit denen des Denkens.
Was hat Sie von Berlin nach Kolochau gebracht?
Das Künstlerdasein ist eines, das auch Ruhe und Konzentration braucht. Der Kunstinteressierte taucht gern ein in die Kunstszene, ich vermeide das eher. Als junger Mensch braucht man das und Berlin ist dann ein Eldorado, aber später kann man auch in einiger Entfernung Gold schürfen.  Berlin ist distanzlos, die Konkurrenz ist groß und es geht manchmal zu wie im Haifischbecken.
Sie stammen eigentlich aus Göttingen, leben aber bereits seit 1976 in Berlin. Was hat Sie damals dorthin gezogen?
Die Kunst. Ich habe in Berlin an der Hochschule der Künste (HdK) studiert. Das war noch zu Mauerzeiten. Mein Weg war schon früh klar: Ich wollte Kunst machen, Künstler werden. Ich habe bereits als Abiturient in Göttingen ausgestellt, im Künstler-Klub „Kreis 34“ war ich mit 16 Jahren das jüngste Mitglied.
Nach der Wende hat sich Berlin rasant entwickelt, ist internationaler geworden. Das war gut, für die West-Künstler war das aber nicht immer einfach. Mit dem Mauerfall war die Kunst aus dem Osten naturgemäß interessanter. Mit der Künstlergruppe „DER KONGRESS“ haben wir darauf reagiert, indem wir Ausstellungen und Aktionen in Ostberlin und den neuen Bundesländern gemacht haben, in der Galerie Eigen + Art in Leipzig zum Beispiel. Wir waren eine Spaßguerilla-Truppe, durchaus subversiv. Heute dominiert eher die Ernsthaftigkeit des Geschäfts, weniger ein freies Denken.
Gibt es im Vorfeld schon mehr Infos zu Hans-Peter Klie?
Ganz gewiss. www.hans-peter-klie.de/aktuelles.

Gespräch: Corinne Ullrich